200 Jahre Brandenburger Tor

Entwurf:
Erich Ott, München

Daten:
1991 A, Ag 625, 15,5gr, 32,5mm
Anmerkungen:
Begleitzettel der Bundesschuldenverwaltung
Dr. Dieter Vorsteher, Berlin
1788 beauftragte der preußische König Friedrich Wilhelm ll. den Architekten Carl Gotthard Langhans, ein Stadttor zu entwerfen. Es sollte die Prachtstraße 'Unter den Linden' zum Tiergarten hin abschließen. 1791 vollendet, maß das Tor 65 Meter Breite, 22 Meter Höhe und eine Durchfahrtstiefe von 11 Metern. Architektonisches Vorbild waren die Propyläen von Athen. Dieses antike Zitat war ein Grund mehr, Berlin als "Spree-Athen" zu rühmen. Die Fertigstellung des Tores fiel in die Zeit der Koalitionskriege gegen das revolutionäre Frankreich, an denen auch Preußen teilnahm. Nach dem siegreichen Ausgang erhielt das Brandenburger Tor Skulpturen und Reliefs. Dazu gehörte auch die von Gottfried Schadow entworfene Quadriga.
Im Wagen steht die Siegesgöttin und verkündet Sieg und Frieden. 1793 fertiggestellt, prägte sie die unverwechselbare Silhouette des Tores. 1806, das französische Heer hatte unter Napoleons Führung Preußen geschlagen, rückte der Kaiser der Franzosen durch das Brandenburger Tor in Berlin ein. Den mitreisenden französischen Architekten gefiel die Quadriga. Als Beutegut kam sie nach Paris, wo sie die zukünftige Triumphstraße Napoleons dekorieren sollte. Der Raub der Quadriga erwuchs in den Jahren der Fremdherrschaft zum Zeichen der nationalen Schmach. Die preußischen Reformen schafften das geistige Klima der Befreiungskriege. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) rückten nun die Verbündeten (Österreich, Rußland, England und Preußen) siegreich in Paris ein. Dort fand man sie wieder, unausgepackt in den Transportkisten von 1806. Im August 1814 stand sie als Siegesgöttin wieder an ihrem alten Platz, ihr vormaliges Siegeszeichen, ein Lorbeerkranz am Stab, war um das Eiserne Kreuz und den preußischen Adler auf Wunsch des Königs erweitert. In den folgenden Jahrzehnten diente das Tor als festliche Kulisse für Siegesfeiern der Reichseinigungskriege von 1864 bis 1871.
Das Kaiserreich sah weniger das Bauwerk als vielmehr das Symbol der Reichseinigung im Brandenburger Tor. Die Republik, bewußt bescheiden bei ihren politischen Auftritten, nutzte das Tor nicht. Als Wahrzeichen der Stadt diente es allein der Tourismuswerbung: "Jeder einmal nach Berlin". Politisch wurde es unter dem Tor erst wieder im Januar 1933, als Fackelzüge der SA und SS ins "rote" Berlin einzogen und die Macht ergriffen. Als Sieger folgte im Apri11945 die Rote Armee. Nicht auf der Reichskanzlei, der nationalsozialistischen Machtzentrale, hißten sie die rote Fahne, sondern auf dem Reichstag und dem Brandenburger Tor. Aut ihm sollte sie für viele Jahre bleiben. Nur einmal, am 17. Juni 1953, erklommen zwei mutig tollkühne Demonstranten das Tor und zerrissen das rote Tuch in Empörung über SED-Staat und Besatzungsmacht. Der Ost-West-Konflikt teilte Deutschland. In seiner politischen und geographischen Mitte stand das Tor. Seit 1961 war es vermauert und von bewaffneten Grenzern bewacht. Manche politische Botschaft wurde hier ausgerufen, zuletzt im Juni 1987 von dem amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan: "Mister Gorbatschow, open this gate!" Zweieinhalb Jahre später feierte man hier den Fall der Mauer und nun war das Tor offen. Vor zweihundert Jahren als repräsentatives Stadttor gebaut, im neunzehnten Jahrhundert Schauplatz und Bhne preuBischer und deutscher Geschichte, ist das Brandenburger Tor in der Zeit der Teilung zu einem über Deutschland hinaus bekannten Symbol für Einheit und Freiheit geworden. Heute ist es die Mitte der Hauptstadt, die, wie das Land, zusammenwächst.