800 Jahre Deutscher Orden

Entwurf:
Hubert Klinkel, Zell

Daten:
1990 J, Ag 625, 15,5gr, 32,5mm
Anmerkungen:
Begleitzettel der Bundesschuldenverwaltung
Prof. Dr. Udo Arnold, Bad Münstereifel
Der Deutsche Orden entstand 1190 während des 3. Kreuzzuges im Hl. Land als Hospitalgemeinschaft und erfuhr kurz nach seiner Gründung die Erweiterung um die ritterliche Komponente. Damit wurde der Deutsche Orden, neben Templern und Johannitern, der dritte große Ritterorden. Er verbreitete sich rasch auch in Europa. Infolge seiner engen Verbindung mit dem Papsttum und dem römisch-deutschen Kaiserhaus der Staufer gibt es kaum einen europäischen Staat, in dem er nicht vertreten war. In Preußen entstand unter Mitwirkung von Kaiser und Papst, des benachbarten Polen sowie der Kreuzfahrer aus dem westeuropäischen Adel ein autonomer Ordensstaat mit polyethnischer Bevölkerung, jedoch deutscher Prägung. Drei recht eigenständige Zweige des Ordens hatten ihre Schwerpunkte dort, in Livland und im Reich. Nach dem Verlust Preußens und Livlands im 16. Jahrhundert blieb der Orden auf das Hl. Römische Reich Deutscher Nation beschränkt. Aus dem Reformationszeitalter ging er als trikonfessionelle Gemeinschaft hervor, die sich eng an das Haus Habsburg anlehnte und damit in die Abwehr der bis Wien vorgerückten türkischen Heere eingebunden wurde. Erst Napoleon hat im Zuge der Neuordnung ganz Europas den Orden auf den Raum der Habsburgermonarchie begrenzt. Anschließende Reorganisation von Schwestern- und Priesterzweig sowie seitens der Ritter die Begründung eines Feldlazarettwesens parallel zum Aufbau des Roten Kreuzes schufen die Voraussetzungen für die Entwicklung moderner Strukturen des nun nur katholischen Ordens, nachdem sich schon im 17. Jahrhundert der heute noch in den Niederlanden lebende protestantische Ridderlijke Duitse Orde, Balije van Utrecht, verselbständigt hatte.
Nach dem Ersten Weltkrieg gelang die Umwandlung in einen von Priestern geführten, rein klerikalen Orden im Raum der Nachfolgestaaten der Habsburgermonarchie. Als Feind des Ordens erwies sich der Nationalsozialismus: Nach dem Anschluß Österreichs wurde er verboten, da die neuen Machthaber andere Vorstellungen von einem eigenen „Deutschen Orden“ hatten.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg war ein Neuaufbau wieder möglich. Der Orden ist im weitesten Sinne sozialkaritativ tätig, vom Säuglingsheim bis zur Altenpflegestätte, von Schwestern betreut. Daneben steht der seelsorgliche Aufgabenbereich der Priester. Beide Zweige werden unterstützt durch den Laienzweig der Familiaren. Etwa 1000 Mitglieder wirken in der Bundesrepublik Deutschland, Österreich, Italien, Jugoslawien, der Tschechoslowakei und Belgien.

Die Biidseite der Münze zeigt die stehende gekrönte Mutter Gottes, Hauptpatronin des Ordens, mit dem Kind auf dem rechten Arm, dem sie mit der Linken den Apfel reicht, auf einem Banner. Oben liegt der einfache Wappenschild des Ordens auf. Die Darstellung reduziert auf Symbole, die unabhängig von den Wandlungen des Deutschen Ordens in seiner Geschichte und den regionalen Differenzierungen geistig- geistliche Grundlage seiner Existenz über alle 800 Jahre gewesen sind. Die Randschrift ES BLEIB IN GEDÄCHTNIS SO LANG GOTT WILL geht auf eine Prägung nach dem Verlust Preußens zurück, charakterisiert aber weitreichender den Wunsch nach Verlebendigung der Vergangenheit einerseits, Offenheit der Zukunft anderseits.