- Daten:
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- 1999
A, D ,F,G,J, Ag 925, 15,5gr, 32,5mm
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- Vor
300 Jahren, am 18. Juli 1698, legte der Pietist August Hermann
Francke (1663 - 1727) in Glaucha vor den Toren Halles an der
Saale den Grundstein für den Bau einer Armen- und
Waisenanstalt. Innerhalb von 30 Jahren entwickelte sich aus
kleinen Anfängen ein breit differenzierter
Bildungsorganismus mit Wirtschaftsbetrieben, der in den Augen
vieler Zeitgenossen als "Neues Jerusalem" galt und
dessen Ruf durch Europa und bis nach Übersee drang.
- Am 22.
März 1663 wurde August Hermann Francke in Lübeck
geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Gotha studierte er
Theologie und alte Sprachen zunächst in Erfurt, später
in Kiel und Hamburg. 1685 erwarb er in Leipzig den Magistergrad
der Philosophischen Fakultät. Durch die Bekanntschaft mit
Philipp Jacob Spener (1635 - 1705), dem geistigen Vater des
lutherischen Pietismus in Deutschland, kam Francke mit der
pietistischen Reformbewegung in Berührung und engagierte
sich in pietistischen Zirkeln. Prägend für Franckes
Lebensweg wurde 1687 ein Aufenthalt in Lüneburg. Ein
Bekehrungserlebnis stärkte seine Glaubensgewßheit und
entschied den Konflikt zwischen Frommigkeit und Gelehrsamkeit
zugunsten eines tätigen Christentums.
- Im
Jahre 1691 erhielt Francke eine Berufung als Professor für
griechische und orientalische Sprachen an die in Gründung
befindliche Universität in Halle und zugleich eine
Pfarrstelle in der Amtsvorstadt Glaucha. Das soziale Elend am
verwahrlosten Stadtrand veranlaßte ihn zur Gründung
einer Stiftung. In ihr setzte der Pfarrer, Waisenvater und
Unternehmer Francke die pietistischen Reformideen der
"Weltverbesserung durch Menschenverbesserung" in die
Praxis um. Die Franckeschen Schulen entwickelten moderne
sozialpädagogische und praxisbezogene Unterrichtsmethoden
und in ihnen war es auch für mittellose Kinder möglich,
bis zum Universitätsstudium zu gelangen. In einem
mehrgliedrigen Schulsystem wurden Waisen, Armen- und
Bürgerkindern und nicht zuletzt adligen Zöglingen
Wertmaßstäbe vermittelt, in denen sich die
theologischen Ansichten des Pietismus und die Sozialethik des
aufstrebenden preußischen Staates trafen. Francke schuf
mit seinen Anstalten ein Beispiel praktischer Frömmigkeit,
das internationale Ausstrahlungskraft besaß und Schüler
aus allen Teilen Europas nach Halle zog. Die Stiftungen waren
Ausgangspunkt der ersten protestantischen Missionsbewegung, die
nach Osteuropa, nach Indien und bis nach Amerika führte.
- Die
Kraft, seine umfangreichen Aufgaben als Pfarrer in der Glauchaer
Gemeinde, als Professor an der Friedrichs-Universität Halle
und als Direktor der Glauchaschen Anstalten täglich zu
erfüllen, bezog August Hermann Francke aus seinem
unerschütterlichen Glauben. Sein Wahlspruch "Die auf
den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren
mit Flügeln wie die Adler" kündet noch heute vom
Tympanon des Historischen Waisenhauses zu Halle von der Kraft
des Glaubens.
- Die
Franckeschen Stiftungen blieben 250 Jahre lang eine über
die Ländergrenzen bekannte unahhängige Einrichtung.
1946 wurden sie ihrer Rechtspersönlichkeit enthoben und in
die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg als
Pädagogisches Institut eingegliedert. Im Jahr 1991 wurden
die Franckeschen Stiftungen als öffentlich-rechtliche
Stiftung wiederhergestellt und sind seitdem bestrebt, im Sinne
ihres Gründers das Ensemble als pädagogische, soziale,
wissenschaftliche und kulturelle Einrichtung mit neuem Leben zu
erfüllen. Zur Zeit befinden sich auf dem Stiftungsgelände
über 20 Einrichtungen in unterschiedlicher Trägerschaft,
darunter drei Kindereinrichtungen, vier Schulen, ein Projekt für
arbeitslose Jugendliche, der Fachbereich
Erziehungswissenschaften und die Theologischc Fakultät der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
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