350. Jahrestag des Westfälischen Friedens

Entwurf:
Aase Thorsen, Neuberg

Daten:
1998 A, D ,F,G,J, Ag 925, 15,5gr, 32,5mm
Anmerkungen:
Begleitzettel der Bundesschuldenverwaltung
Gerd Dethlefs, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster

Vor 350 Jahren, am 24. Oktober 1648, wurde nach mehrjährigen Verhandlungen der Westfälische Friede in Münster unterzeichnet: der Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich und der in Osnabrück ausgehandelte Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und Schweden. Bereits am 30. Januar 1648 unterzeichnet und am 15. Mai 1648 feierlich ratifiziert und beschworen worden war der Spanisch-Niederländische sog. "Frieden von Münster", der den Niederlanden die staatliche Souveränität sicherte.

Der Westfälische Frieden beendete nicht nur den "Achtzigjährigen Krieg" zwischen Spanien und den Niederlanden und den Dreißigjährigen Krieg, sondern er prägte auch nachhaltig die politische Ordnung Deutschlands und Europas: er stellte das Miteinander der europäischen Mächte auf eine neue Grundlage, er regelte das Verhältnis zwischen Kaiser und Reichsständen, d.h. Kurfürsten, Fürsten und Reichsstädten, im Deutschen Reich neu, und er beendete das Zeitalter der Glaubenskriege in Mitteleuropa.

Durch den Westfälischen Frieden trat an die Stelle einer hierarchischen politischen Ordnung Europas, d.h. einer Ordnung unter Führung von Papst und Kaiser mit jeweils universalem Herrschaftsanspruch, nun ein System gleichberechtigter souveräner Staaten. Die deutschen Reichsstände wurden nun auch formal Träger der Landeshoheit (einer eingeschränkten Souveränität). Der Westfälische Friedensvertrag schrieb die föderale Struktur des Reiches fest und wurde zu einer zentralen Verfassungsurkunde. Die konfessionellen Konflikte wurden gelöst, indem die Protestanten, Lutheraner und erstmals auch die Reformierten als reichsrechtlich gleichberechtigte Konfessionen anerkannt wurden, unter Festschreibung der Verhältnisse des Jahres 1624.

Der Westfälische Frieden hat durch viele politische Entwicklungen der letzten Jahre an Aktualität gewonnen: kriegerisch eskalierende Religionskonflikte, Fragen der Souveränität der Staaten in der EU sowie die Bemühungen um ein Sicherheitssystem gleichberechtigter Staaten sind beispielsweise zu nennen.

Die Münze zeigt vier wie ein barockes Emblem kombinierte Symbole für die religiösen, politischen, juristischen und ethischen Aspekte des Westfälischen Friedens: die Taube mit dem Ölzweig als Zeichen der göttlichen Friedensbotschaft. die Einigkeit der Vertragsschließenden in Gestalt des Handschlages, das Tintenfaß mit der Feder für das Vertragswerk und eine stilisierte Darstellung zweier Lippenpaare als Symbol des Friedenskusses, d.h, des Kusses von Gerechtigkeit und Frieden (nach Psalm 85) für die Versöhnungsbereitschaft der streitenden Parteien. Die Randschrift "Fried ernährt - Unfried verzehrt" nimmt ein zeitgenössisches Friedenswunsch-Motto auf.



Anmerkungen: Stefan Reimers : TG 11, 98
Der Westfälische Friede, der am 24. Oktober 1648 in Münster und Osnabrück zwischen Kaiser bzw. Reich und Frankreich und Schweden sowie ihren jeweiligen Verbündeten geschlossen wurde, hatte tief greifende Wirkung sowohl auf die Verfassung des Reiches, als auch auf die Mächtekonstellation in Europa. Der Westfälische Friede schränkte die kaiserliche Macht zugunsten der Reichsstände ein und schrieb die Zersplitterung des Reiches in praktisch souveräne Einzelstaaten fest, wodurch das Reich als Ganzes bis zu seinem Ende 1806 ein Machtvakuum blieb. Daneben anerkannte der westfälische Frieden völkerrrechtlich die staatliche Unabhängigkeit der Generalstaaten und der Schweiz und bereitete Frankreichs Aufstieg zur Hegemonialmacht in Europa vor. Das Ende des Dreißigjährigen Krieges bedeutete auch das Ende der Religionskriege in Europa und den Beginn einer überkonfessionellen, der Staatsraison verpflichteten Politik.

Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Krieges waren gewaltig und das Reich Hauptleidtragender des Krieges. Man schätzt heute, dass die Bevölkerung im Reich infolge des Reiches insgesamt um gut ein Drittel zurückging. Ländliche Gebiete hatten dabei deutlich mehr als die befestigten Städte zu leiden. Außer in Hafenstädten wie Hamburg und Bremen kam es im ganzen Reich zu einem Niedergang der Wirtschaft; der Wiederaufbau erforderte und beförderte zugleich Instrumente staatliche Lenkung, wodurch die Entwicklung absolutistischer Staatswesen in Deutschland - wie z. B. im Brandenburg des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm - beschleunigt wurde.