10 Jahre Deutsche Einheit

Entwurf:
Doris Waschk-Balz, Hamburg

Daten:
2000 A, D ,F,G,J, Ag 925, 15,5gr, 32,5mm
Anmerkungen:
Begleitzettel der Bundesschuldenverwaltung Lothar de Maiziére und Prof.Dr.Dr.h.c. Richard Schröder
Als Hoffmann von Fallersleben 1841 das Deutschlandlied schrieb, war .. “Einigkeit und Recht und Freiheit" ein unerfüllter Wunsch für sein deutsches Vaterland.
Erst am 3. Oktober 1990 ging er in Erfüllung. Bis dahin hahen Einigkeit und Recht und Freiheit in der deutschen Geschichte nie zusammen gefunden. Denn Einheit in Freiheit, das war 1848 gescheitert. Als 1871 die Einheit kam, kam sie von oben und als das (zweite) Kaiserreich, proklamiert in Versailles, auf dem Boden des besiegten Frankreich. Das war der Keim für neuen Zwist mit dem “Erbfeind". Zwar war dieses "Deutsche Reich" ein Rechtsstaat. aber kein demokratischer. Es hatte eine Verfassung und ein Parlament, den „Reichstag", aber mit beschnittenen Kompetenzen und vom Kaiser nicht geliebt. Die Inschrift ..Dem „deutschen Volke" musste ihm> abgetrotzt werden. Die schwerste Hypothek aber wurde der Reichsmythos, die gepanzerte „Germania" auf den Briefmarken und bombastische Denkmäler im ganzen Lande, mittelalterlich, antimodern und antiwestlich. Er führte Deutschland in den Ersten Weltkrieg.

In der Weimarer Republik waren zwar Einigkeit und Freiheit vereint, aber die Republik war von allzu vielen ungeliebt. Die weit verbreiteten Ressentiments gegen die Weimarer Repuhlik von rechts, aber auch von links verschafften den Niazis leichtes Spiel, als sie 1933 die Macht übernahmen und Deutschland in die größte Katastrophe seiner Geschichte führten. Die Diktatur des,,Dritten Reiches" trat Recht und Freiheit mit Füßen. Der Reichstagsbrand lieferte den Vorwand, innenpolitische Gegner zu verfolgen. Der von Hitler entfesselte Zweite Weltkrieg und der perfide Völkermord an den Juden Europas führten in die militärische, politische und moralische Verwüstung Deutschlands. Es wurde unter den Siegermächten geteilt. Die Teilung Deutschlands wurde durch die Teilung Europas im Kalten Krieg zementiert. Die Berliner Mauer wurde ihr trauriges Symbol.

In der Bundesrepublik Deutschland konnten sich Recht und Freiheit (und auch Wohlstand) entfalten. Die Demokratie, zunächst ein verordnetes Geschenk der westlichen Besatzungsmächte, wurde nach und nach akzeptiert und selbstverständlich. Es gelang die Aussöhnung mit Frankreich und die Grundlegung für die (zunächst west-)europäische Einigung. Die Deutsche Demokratische Republik war dagegen in Wahrheit eine Diktatur von Moskaus Gnaden, eingebunden in das sowjetische Imperium.
Vieles hat zusammen gewirkt auf dem Weg zum 3. Oktober 1990: die Ostpolitik seit Willy Brand, Gorbatschows Reformwille, die mutigen Demonstrationen des Herbstes 1989 in der DDR, die unversehene Maueröffnung, die vom Runden Tisch erzwungenen freien Volkskammerwahlen am 18. März 1990 und schließlich der Beitrittsbeschluss der Volkskammer. Aber ebenso wichtig war der Beitrag der Bundesregierung und namentlich Helmut Kohls und Hans Dietrich Genschers für den Einigungsprozess und seine außenpolitische Einbettung in den 2+4- Verhandlungen mit den ehemaligen Siegermächten.
Mit dem 3. Oktober 1990 endete nicht nur die Zeit der deutschen Teilung, sondern, völkerrechtlich gesehen, auch die Nachkriegszeit. Zum ersten Mal in seiner Geschichte existiert Deutschland allseits in anerkannten Grenzen und umgeben von befreundeten Nationen in einem zusammenrückenden Europa, das sich Deutschlands östlichen Nachbarn öffnet.

Nachdem Parlament und Regierung in Berlin angekommen sind, ist der alte Reichstag mit seiner neuen transparenten Kuppel weithin zum Symbol der nunmehr vollständigen Bundesrepublik Deutschland geworden, für die Einigkeit und Recht und Freiheit zugleich Geschenk und Aufgabe sind.
Lothar de Maiziére Prof. Dr. Dr. h.c. Richard Schröder