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(Gustav) Albert Lorzing 1801-1851 |
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Frantisek Chochola, Hamburg |
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Gestern Abend war mein Ehrentag. Er war glänzend. Schon in der Probe wurde ich vom Orchester, nachdem ich ihm vorgestellt mit lautem Applaus empfangen; desgleichen gestern Abend bei meinem Eintritt vom sehr zahlreichen Puplikum (4. Juli l844) .. und wäre nicht mein Inneres - das gewiß von festem Zeuge-war so zerissen. Der deutsche Komponist Albert Lortzing muß alle 8- zehn Tage seine Familie ver lassen! ihre geringe Baarschaft reicht kaum so weit, bis er wieder etwas veidient hat (4. Februar 1850)
Zwischen diesen beiden Briefstellen von Albert Lortzing liegen fünfeinhalb Jahre und sie bezeichnen zwei markante Abschnitte in seinem Leben. Die erste fällt in Lortzings glücklichste Zeit: Auf einem Gastspiel, das seine Freunde Philipp Reger und Philipp Düringer für ihn in Frankfurt und Mannheim organisiert hatten. Wurde Lortzing als Komponist und als Dirigent gefeiert. ln der folgenden Saison trat er in Leipzip endlich von der Bühne als Schauspieler und Sänger ab, um stattdessen die Position des Dirigenten zu übernehmen.
Das zweite Zitat zeigt ihn auf dem Tiefpunkt . War er als Kapellmeister gescheitert? Aüßerlich sah es so aus, denn auf diesem Posten hätte er sich nirgendwo lange halten können wobei stets die Verhältnisse am Theater stärker für sein Ausscheiden verantwortlich waren, als seine Leistungen. Empfindlich berührt hat dies Lortzing jedoch, weil es ihn als deutschen Komponisten traf. Er wagte nicht zu schreiben: Deutschlands populärster oder Deutschlands bester Opernkomponist was ihm auf Grund seiner Aufführungszahlen zugestanden hätte. Er hatte auf einen Intendanten gehofft, der ihn vor allem auf Grund seiner kompositorischen Fähigkeiten als Orchesterleiter eingestellt hätte, doch diese Zeiten waren auch auf Grund der höheren Anforderungen, die einige romantische Opern an den Dirigenten stellten vorbei. So mußte Lortzing wieder als Schauspieler durch die Proinz tingeln und zuletzt eine Stelle als Kapellmeister an einem Possentheater annehmen. Geboren am 23. Oktober 1801 als Sohn von Kaufleuten in Berlin verließ Lortzing bereits Ende 1811 mit seinen Eltem seine Vaterstadt, da diese sich entschlossen, ihr Hobby zum Beruf zu machen und nun als Schauspieler ihren Weg zu finden. Waren sie anfangs vor allem bei reisenden Gesellschaften in Süddeutschland engagiert, so ließen sie sich ab 1817 im Kölner Raum nieder und spielten bei der Gesellschaft des sog. ABC-Theaters (Aachen, Bonn, Cöln, Düsseldorf, Elberfeld). Hier erhielt Lortzing, der ja sein Leben lang glaubte, er sei erst 1803 geboren worden, 1820 sein eigenes Engagement als Schauspieler und Sänger. Ende 1826 wechselte er mit seiner Frau Rosina Regina (getraut am 30.1.1824) an das neu errichtete Hoftheater in Detmold, dessen Gesellschaft zusätzlich die Orte Bad Pyrmont, Münster und Osnabrück bespielte. Ende 1833 folgten Lortzings dem Kölner Direktor Sebald Ringelhardt und den Eltern nach Leipzig. Hier gehörte Albert Lortzing bis l844 zu den beliebtesten Schauspielern im Ensemble, anschließend war er dort ein Jahr Kapellmeister. Nach einem Jahr als Privatier wurde Lortzing dann als Kapellmeister an das Theater an der Wien in Wien berufen. Da die Oper in den Revolutionswirren 1848 hier aufgelöst wurde, mufßte ich Lortzing erneut eine Stellung suchen. Ein kurzes Engagement in Leipzig 1849 löste er auf und trat dann im Mai 1850 sein letztes Engagement am Friedrich-Wilhelmstädtischen- Theater in Berlin an. Er starb am 21.Januar 1851 am Schlagfluß.
Lortzing hat nie eine längere schulische oder gar universitäre Ausbildung genossen, doch betonte er immer, daß seine Eltem sehr bemüht waren, durch Privatunterricht seine Bildung zu fördern. Schon in Berlin hatte er als Kind neben dem Instrumental-(Klavier, Violonce1lo) auch musiktheoretischen Unterricht erhalten. Von ersten Kompositionen ist denn auch bereits in dieser Zeit die Rede. Die erste erhaltene Komposition, Thema und Variationen für Horn und Orchester, stammt aus dem Jahre 1820. Eine erneute Phase des intensiven (Selbst?)- Unterrichts läßt sich in den letzten Jahren am Rhein nachweisen. und in Detmold wandte Lortzing dann diese stabilisierten Kenntnisse auf allen Gebieten an: Er schrieb Schauspielmusiken, einaktige Opern, Freimaurerchöre, Ouvertüren, aber auch ein Oratorium, das er in einem von ihm initiierten Konzert auch selbst zur Aufführung brachte. So ausgerüstet konnte sich Lortzing, der sehr schnell erkannte, daß er in der Musikstadt Leipzig mit Instrumentalmusik keinen Erfolg haben würde, dann seiner ersten abendfüllenden Oper, Die beiden Schützen, zuwenden, die am 20. Februar 1837 am Leipziger Stadttheater mit Lortzing selbst in einer der Hauptrollen uraufgeführt wurde. Den Durchbruch als Opernkomponist errang Lortzing jedoch mit seiner dritten Oper,, Zar und Zimmermann. die am 22. Dezember 1837 in Leipzig uraufgeführt wurde. Diese Oper wurde von der Hofoper in Berlin zur Aufführung angenommen und errang hier einen beispiellosen Erfolg, so daß das Werk anschließend auf allen deutschsprachigen Bühnen Europas gespielt wurde. Von dieser Zeit an komponierte Lortzing fast jährlich eine Oper, von denen keine wirklich durchfiel, doch waren und sind bis heute die Opern Der Wildschütz, Undine und Der Waffenschmied am beliebtesten. Lortzing schrieb dabei nicht nur komische Opern, sondern wandte sich auch ernsten (Hans Sachs) und romantischen Stoffen (Undine, Ro1ands Knappen) zu. Gemeinsam ist diesen Opern jedoch der gesprochene Dialog, der die einzelnen Nummern trennt. Herausragend unter seinen Opern ist die 1848 komponierte Oper Regina, da Lortzing hier die Zeitumstände im Sujet aufgreift und sich musikalisch an der grand opera orientiert. Albert Lortzing war zwischen 1830 und 1850 der bedeutendste deutsche Opernkomponist. Er war zudem der einzige Komponist vor Richard Wagner, der alle seine Libretti selbst verfaßte. Sein Ziel war eine genuin deutsche Oper (mit gesprochenem Dialog), die er in Anlehnung an die in Deutschland in Übersetzung sehr verbreitete französische opera comiqie mit heiteren bis ernsten Sujets schaffen wollte. Er verfügte über alle dramaturgischen und musikalischen Mittel, dies auf höchstem Niveau auszuführen. Seine Opern sind Konversationsopern, d.h. unterhaltende Opern, die im hohen Grade in Text und Musik mit den Erwartungen des Publikums spielen. Diese zeitlose Qualität hat verhindert, daß die Opern Albert Lortzings vom Spielplan verschwunden sind.
Irmlind Capelle |
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